Die Abrechnung: Wie der Arzt an sein Geld kommt

Krankenscheine zu Geldscheinen
Gern gesehen: die Privatpatienten
Masse macht's: die Kassenpatienten
Preis und Leistung: die Honorare für ärztliche Leistungen

 
 

Weit weg: Arzthonorar nur bei Gesundheit
Wie fortschrittlich war doch das alte Reich der Mitte: Honorar bekam der Arzt nur, solange der Patient gesund blieb! Hier und heute verläuft der Weg zum ärztlichen Wohlstand andersherum: das Behandeln bringt Umsatz, nicht das Heilen.

 
Ein geheilter Patient ist ein verlorener Kunde.
 

Ein guter Arzt nimmt sich hierzulande Zeit für seine Patienten und ist mindestens Europameister im Zuhören. Was könnte seinen Arbeitstag auch angenehmer gestalten als in Ruhe zahlreichen Krankheitsgeschichten zu lauschen, die Patienten gründlich zu untersuchen und alle Fragen in einem vertrauten Gespräch gründlich zu klären.

Seltene Tugend: Zuhören
Doch zugegeben: Die Wirklichkeit sieht anders aus. Wer kennt schon einen Arzt, der nicht überwiegend im Sauseschritt durch die Praxis fegt, um die vielen Patienten überhaupt versorgen zu können?

 
 

Knapp und teuer: die Zeit
Zeit, auch Zeit für die Patienten, zählt zu den knappen und vor allem nicht vermehrbaren Gütern. Zwar läßt sich kein Arzt freiwillig auf die Zwei-Minuten-Medizin ein - schließlich will sogar er ein wenig Freude an seinem Beruf haben. Doch ein Mindestmaß an Umsatz muß auch in Arztpraxen erwirtschaftet werden, denn am Monatsende wollen die Gehälter der Angestellten und die Miete bezahlt sein und mehr. Will ein niedergelassener Arzt nicht wirtschaftlich Schiffbruch erleiden, muß er Kompromisse schließen. Denn die entscheidende Größe in der Kalkulation ist die nackte Zahl der Patienten: Je mehr Kranke durch die Sprechzimmer geschleust werden, desto gesünder ist der Wirtschaftsbetrieb „Arztpraxis”.

Geheim: Der Grund für die ärztliche Eile
Dies gilt seit Anfang 1996 mehr denn je, da die Abrechnungsmuster der Krankenkassen erneut geändert wurden. Seither umfaßt das ärztliche Grundhonorar eine Pauschale pro Kassenpatient und Quartal. 12 bis 20 Mark beträgt dieses Handgeld. Es sei denn, der Patient gehört einem fortgeschrittenen Jahrgang an; dann billigen die Kassen dem Arzt zwischen 16 und 36,50 Mark zu. (Warum mehr für die Alten? Der Kollege sagt: „Die Quasseln immer so lange!”) Mit dieser Pauschale sind die sogenannten ärztlichen Grundleistungen (wie Rezept schreiben, Spritzen geben, Blut abnehmen, einfache Untersuchungen und so weiter) abgegolten - egal wie häufig sie im Laufe des Quartals notwendig werden. Jeder weitere Kontakt mit seinen Patienten im laufenden Vierteljahr bringt dem Praxisinhaber nur eine kleine Prämie von weniger als einem Fünfmarkstück.

Geheim: Der Grund für den neuen Termin in ein paar Wochen
Ein kluger Arzt gibt deshalb seinen Patienten stets einen neuen Termin im folgenden Quartal - und rechnet dann noch einmal das Honorar für die Grundleistungen ab.

 
  Doch auch bei dem neuen Termin im kommenden Quartal wird der arme Arzt nicht viel Zeit für tiefschürfende Erläuterungen finden. Denn längere Gespräche bescheren den Hausärzten nur wenig mehr Einkommen, Fachärzte gehen dabei fast leer aus.
 

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