Die lieben Patienten

Kinder in der Praxis
Der Patient alter Schule
Der Arzt und das Vertauen
Der mündige Patient
Gern genommen: “rein pflanzlich"

 
 

Großer Unterschied: kurz & heftig oder lang & stetig
Ein folgsamer Patient schaut auf dem Heimweg artig in der Apotheke herein und legt sein Rezept vor. Liest er obendrein im Beipackzettel das Kapitel „Nebenwirkungen”, ist oft Schluß mit der Folgsamkeit. Das mutmaßlich lebensgefährliche Zeug in der kleinen Pappschachtel landet in der Schublade. Und siehe da: So manches Zipperlein heilt auch völlig ohne Medikamente. In allen anderen Fällen allerdings steht der Patient irgendwann vor einem noch größeren Problem. Ach ja, und dann gibt es noch die Schussel, die gern mal vergessen, das eigentlich notwendige Medikament zu schlucken.


Hilflos ohne Hilfe der Patienten: der Arzt
Es zählen auch Feinheiten: Es macht in der Tat einen Unterschied, ob die Tabletten dreimal täglich (gleichmäßiger Wirkstoff-Spiegel) oder auf einmal (steile Wirkstoff-Welle) eingenommen sein wollen. Es ist gar nicht egal, ob - „weil’s doch grad so weh tut” - die doppelte Menge in den Körper gelangt. Und das Risiko eines Rückfalles steigt steil an, wenn ein Patient das Medikament nur drei statt vereinbarter zehn Tage nimmt, auch wenn die Infektion doch gar nicht mehr schmerzt. Wie kann der arme Arzt dem Patienten helfen, wenn der sich selbst nicht helfen will? Um seinen Job zu tun, ist der Arzt darauf angewiesen, dass seine Patienten zuverlässig mitarbeiten, auch jenseits der Tür zum Sprechzimmer. Schließlich wählt er Medikament und dessen Dosierung sorgsam so aus, dass die erforderliche Wirkung bei geringstmöglichen Nebenwirkungen erreicht wird. Dafür hat er lange studiert. Hält sich ein Patient nicht an die Abmachungen, kippt mit Sicherheit diese optimale Balance zwischen Wirkung und Nebenwirkungen.

 

Die Folgen können gravierend sein, und der Doktor ist machtlos. Jede fünfte Einweisung ins Krankenhaus, heißt es, beruhe im Grunde auf mangelnder Zuverlässigkeit (zu deutsch: „Schlamperei”, auf Ärztelatein: „defizitäre Com- pliance”) im Umgang mit verschriebenen Medikamenten. Umfragen zeigen, dass nicht einmal jeder Zweite die Pillen und Pasten wie verordnet einsetzt. Da wäre es dann billiger, gar nicht erst den Arzt und die Krankenkassen zu belasten.

Ein mündiger Patient zieht nicht in stillem Mißtrauen aus der Praxis von dannen, sondern besteht darauf, das Wieso und Warum zu erfahren. Das ist sein gutes Recht, schließlich berechnen die Ärzte Honorare für „Eingehende Beratung“. Klappt das aber nicht, wechselt man besser nicht das Präparat, sondern den Arzt.

 

zurück

weiter