Der Arzt: Aufzucht und Hege

Wer darf? Die Auswahlkriterien
Drangvolle Enge: das Studium
Die Ochsentour zur eigenen Praxis
In Saus und Braus: die eigene Praxis

 
 

 
Was der Arzt verdient
Der Arzt ist reich, das weiß man doch und außerdem steht es allenthalben in der Zeitung. Ein paar Preisvergleiche dokumentieren das: Ein Pillen-Rezept kostet zwischen 2,40 und 7,80 Mark - die behördliche Bescheinigung für den Austritt aus der Kirche in der Regel über 30 Mark. Eine sterile intramuskuläre Spritze trägt dem Arzt nichts ein (bei Kassenpatienten) oder maximal 10,49 Mark (bei den teuren Privatpatienten) - das Ohrloch-Stechen beim Juwelier kostet 18 Mark für jedermann. Die eigenhändige Untersuchung eines Enddarms bringt dem Arzt zwischen 5,40 und 15,73 Mark ein - das entspricht im Schnitt dem Gegenwert einer Currywurst mit Beilagen. Die Wegepauschale für den Arzt beim Hausbesuch (zwei bis fünf Kilometer) beträgt 12,40 Mark - die Fahrtkostenpauschale der Telekom immerhin 70 Mark. Einmal künstliche Beatmung mit allem drum und dran macht im Notfall maximal 39,33 Mark bitteschön - für eine Dauerwelle beim Friseur reicht das bei weitem nicht.
 

 

Billige Preisvergleiche
Diese Honorare sind nun beileibe nicht allein dem Herrn Doktor zugedacht, sondern gelten als Gesamtvergütung für die Arztpraxis; also für alle, die dort arbeiten. Die freundliche Dame am Empfangstresen möchte natürlich einmal im Monat ihren Lohn bekommen. Dafür überweist der Chef, der Arzt, erst das nötige Geld aus der Rubrik „Lohnnebenkosten” an Finanzamt und Rentenkasse, dann den Lohn an seine Mitarbeiterin. Das gleiche Verfahren ist selbstverständlich den beiden Praxishelferinnen vergönnt (die zu Hause jeweils drei hungrige Mäuler zu stopfen haben), der Raumpflegerin und schließlich dem Arzt für die Praxisvertretung, falls der Herr Praxisinhaber dann doch ein paar freie Tage nimmt. Die Praxismiete (Gewerbepreise) muß natürlich auch bezahlt sein, der Strom, Telefon, Kreditzinsen und -tilgung, Praxisversicherungen und so fort. Je nach Zuschnitt einer Praxis verzehren diese Kosten zwischen 30 und 60 Prozent des Umsatzes. Was schließlich übrig bleibt, teilt sich der niedergelassene Arzt mit dem Finanzamt, Kranken- und Rentenversicherung (das Ärzteversorgungswerk) und der Berufshaftpflichtversicherung.

Ein Honorar und viele offene Hände
Nicht zu vergessen die Kosten für Fortbildungskurse - sie schlagen schnell mit 3.000 Mark für ein Wochenende zu Buche. Und auch das Bafög-Amt meldet sich spätestens nach fünf Jahren und möchte das Geld zurück, das den Medicus während seines Studiums am Leben erhalten hatte.

Berechenbar: Ärzte im Krankenhaus
Einfacher sieht die Rechnung bei der großen Schar der angestellten Ärzte in den Krankenhäusern und anderen Institutionen aus. Sie beziehen ihr normales Angestellten-Salär. Und die vielen jungen Mediziner ohne Job? Tja, die fahren halt Taxi, wie manche schon während des Studiums.

 

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