Schrecklich schön: Das Ärztelatein


Ärztelatein zum Verschweigen

So finden Sie den richtigen Arzt

 
 

So ein studierter Mensch in Weiß ist schon ein Tausendsassa: Allzeit hellwach erkennt er flugs Bedürfnisse und Besonderheiten eines jeden seiner zahlreichen Patienten und stellt sich flexibel darauf ein: So weiß die ältere Dame zwar, daß sie ein Rezept zur Apotheke tragen und das Medikament einnehmen soll. Die heiklen W-Fragen - wie, wann, wie lange, warum - bedürfen jedoch geduldiger Erläuterung und mancher handgeschriebener Merkzetteln.

Kleines Wort und große Wirkung
Ein kleines Wort kann den großen Unterschied bewirken: Welcher normale Mensch würde nicht schreckensbleich nach Hause schleichen angesicht der liebevollen Erläuterung, er leide an „primär chronischer Polyarthritis”.

Sag es treffender!

Sagte es der Arzt indes auf deutsch, „sie haben Rheuma, und das ist in Ihrem Alter gar nicht selten,” bliebe dem geplagten Menschen wenigstens das Unbehagen erspart. In diesen Momenten, wenn es auf die Sprachfertigkeit ankommt, machen sich die Nebenjobs während der Studientage bezahlt. Egal ob ein Student als Lagerarbeiter, Taxifahrer oder Kellner gejobbt hat - ein Kurs in normaler Sprache war inbegriffen. Wohl den Patienten, die einen so gebildeten Arzt kennen.

Studentenjobs: Sprachkurs für angehende Ärzte
Das Studium selbst indes legt den Grundstein fürs Ärztelatein: Erst quälen sich die Studenten mühevoll durch Sprachkurse in „Terminologie” (die nicht nur Latein, sondern auch ein gerüttelt Maß altgriechischer Bruchstücke umfaßt) und zetern ob der Pein des Lernens. Bald darauf aber tauchen sie ein in den Fachjargon. Nur wenige finden wieder heraus und halten Kontakt zu den unkundigen Schichten, denen sie selbst entstammen.

Verloren in der Fachsprache
Einen Vorteil bietet die medizinische Fachsprache - jedenfalls den Eingeweihten: Die Phrasen in blitzsauberes Ärztelatein verklausuliert, vertraut das Fachpersonal darauf, im Gespräch unter sich zu bleiben und obendrein Eindruck zu schinden.

Was steckt hinter den Medizin-Phrasen?
Und dennoch: hinter den bizarren, mühsam studierten Floskeln verbirgt sich viel profanes, allzu menschliches, aber auch schlitzohriges.

 
 

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